»Ich habe vor ein paar Tagen gesagt, dass ich eine zerbrochene Vase bin. Nein keine zerbrochene, aber eine aus gebrochenen Scherben zusammengesetzt. Leider fehlen ein paar und so ist sie nicht ganz. « K.U.
SORORI Musiktheater von Ulrike Ruf
Sorori ist ein biographisches Musiktheater, das die Lebensgeschichte einer jungen Westberlinerin erzählt.
Im Zentrum der Arbeit steht die Frage nach Identität - ein Balanceakt zwischen Individualität und Gemeinschaftszugehörigkeit -, die sich im Mikrokosmos der Tagebuchaufzeichnungen der jungen Frau verortet. Hier schildert sie ihr Erwachsenwerden in der frühen Berliner Nachwendezeit als eine Suche nach sich selbst, an der sie schließlich scheitert. Den autobiographischen, über Lautsprecher eingesprochenen Texten steht ein Chor auf der Bühne gegenüber. Als bewegliche Masse, als choreographierter Klangkörper tritt der Chor in Interaktion mit der körperlosen, sprachlich-akustisch präsenten Protagonistin. Der Zuschauer erlebt Annäherung an eine Person bei gleichzeitiger überdeutlicher Abwesenheit. Innenperspektive trifft auf die körperliche Gemeinschaft eines Chores, der Geborgenheit versprechen aber auch gewaltsam Anpassung fordern kann.
SORORI entwickelt sich aus dem multimedialen Material eines Nachlasses. Neben den Tagebuchtexten werden Bruchstücke aus Mixkassetten, Tonaufnahmen, Notenmaterial sowie Super 8 – und Videofilme verwendet. In ihren Stereotypen oder auch als unverwechselbare Zeugnisse erzählen sie von einer Jugend in den 1980er/90er Jahren.
„Das Besondere liegt für mich im Umgang mit den authentischen Lebenszeugnissen einer realen Person und der gleichzeitigen Lückenhaftigkeit eines Nachlasses. Fragment und Leere werden bewusst Bausteine des Stückes und fordern den Zuschauer auf, sich vor seinem eigenen Erfahrungshorizont mit dem Thema Identität auseinanderzusetzen.“ Ulrike Ruf
